2013 Portrait bei Unternehmerinnen.org

Porträt des Monats Februar 2013 von Dagmar Möbius

Kreatives Coaches

Gewinnen durch Spinnen Antje Remke inspiriert zu neuen Wegen

Irgendetwas läuft nicht rund. Was dann? Als Coach ermuntert Antje Remke zu einfachen, aber ungewöhnlichen, Lösungen. Das Potenzial in uns ist da. Es liegt nur oft verschüttet. „Absurdes kommt gut an“, schmunzelt sie. Und die „Ja, Aber‘s“ bleiben draußen.

 

Antje Remke arbeitet freiberuflich als Business-, Gründer- und Lifecoach, Bildungsreferentin und Projektleiterin

„Probleme sehe ich als Herausforderungen.“ Antje Remke ist überzeugt davon, dass sich fast immer Lösungen finden lassen. Auch wenn es manchmal dauert und man Hilfe braucht, um eine passende Idee zu finden. „Für mich war die Welt immer groß, ich wollte etwas genau verstehen und habe deshalb schon viele mit meinen Fragen gelöchert“, blickt sie zurück. Neugier und Aufgeschlossenheit sind der rote Faden ihres Lebens. Nach der Ausbildung als Krankenschwester arbeitete sie einige Jahre in einer brandenburgischen Krankenhaus-Notaufnahme.

 

Extremsituationen, ständig neue Menschen und flexibles Agieren prägten den Arbeitsalltag. Die Fähigkeit, Zusammenhänge zu verknüpfen, hilft ihr bis heute. Doch: „Wenn etwas langweilig oder Routine wird, muss etwas Neues passieren.“ Sätze wie: „So macht man es!“ oder „So ist das halt“, stellt sie in Frage und erlaubt sich Alternativen. Die politische Wende empfand sie deshalb als großes Glück: „So konnte ich mir auf zahlreichen Reisen ein eigenes Bild von der Welt machen.“

Im Fotoalbum geblättert: eine Impression von der Insel Korsika.

„Wenn sich die Kolleginnen früher unterhielten, wie ein Braten gemacht wird, habe ich mich oft gefragt, ob sich das Leben wirklich darum dreht oder ob es nicht auch anders geht“, lacht die 45-Jährige. Von der Enge der Kleinstadt fühlte sie sich eingeschränkt. Sie ging nach Berlin und studierte fünf Jahre Sozialarbeit. Mit dem Diplom und einer Ausbildung als NLP-Master-Practitioner trat sie ihre Tätigkeit in Evas Arche, einem Ökumenischen Frauenzentrum in Berlin, an. 2001 erwarb sie die Zulassung als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Zehn Jahre arbeitete sie mit unterschiedlichsten Frauen, leitete Mutter-Kind-Gruppen, hielt NLP-Workshops, führte Orientierungsberatungen durch. Vor fünf Jahren wurde sie aufgrund von Einsparmaßnahmen arbeitslos. Wie weiter? „Ich unterhielt mich mit Menschen, fragte viel nach und ließ mich zur Selbständigkeit ermuntern.“ Doch um künftig als Coach arbeiten zu können, suchte Antje Remke selbst ein begleitendes Coaching und ließ sich zum Integrativen Coach ausbilden.

 

Wo stehe ich jetzt, wo möchte ich hin und wie schaffe ich das?

Als zertifizierter Business Coach bringt Antje Remke Klienten zum Nachdenken, Umdenken und Neudenken. Sie ist auch als EMOTION-Coach und bei der kfw-Beraterbörse gelistet.

Seit 2008 ist Antje Remke freiberuflicher Business-, Gründer- und Lifecoach, Bildungsreferentin und Projektleiterin. Die drei Bausteine gewichten sich je nach Auftragslage. Ins Einzel-Coaching kommen mehr Frauen als Männer zu ihr. Viele mit Therapieerfahrung. „Diese Frauen wissen, sie brauchen irgendwas.“ Was genau, wird gemeinsam gesucht.  „Ich bin überzeugt, dass bei allen Menschen Potenzial da ist. Es ist Ressourcenverschwendung, wenn das verschüttet bleibt“, sagt sie und versichert: „Ich kann Jeden nehmen, wie er ist.“ Ihre sozialen Grundberufe empfindet sie als Vorteil. Sich abgrenzen zu können, auch.

„Ich kann Jeden nehmen, wie er ist.“

„Blöd gelaufen, okay. Wie machen wir es anders?“, fragt sie ihre Klienten. Führungskräfte und Mitarbeiter-Teams, Gründer und Selbständige, Privatpersonen. „Es ist dunkel, also müssen wir Licht anschalten.“ Ein simpler, aber wirksamer Vorschlag. Antje Remke vertraut ihrer Kreativität. „Mitunter biete ich Absurdes an, das kommt gut an“, lacht sie. Das Motto „Gewinnen durch spinnen“, hat sie verinnerlicht. „Ich verstelle mich nicht, spiele nicht, bin ehrlich und lache gern“, erklärt sie ihr Vorgehen. „Manchmal taste ich mich naiv heran und manchmal schicke ich die Aber‘s raus.“ Behutsam, heiter und kreativ ist ihr Credo. Und die Zuversicht, dass sich immer alles fügt. Ob Karriere, Fragen zur Work-Life-Balance, zur Um- und Neuorientierung oder zum persönlichen Wachstum. Drei bis vier Termine genügen im Durchschnitt, um ein Problem zufriedenstellend und individuell zu lösen. Coaching-Verträge lehnt Antje Remke ab. Sie engen Klient und Coach ein und stören das Vertrauen, findet sie.

Im Einzelcoaching werden gemeinsam Lösungen erarbeitet –behutsam. Heiter, kreativ.

Nicht nur Frauen sollen sich angesprochen und eingeladen fühlen, Neues auszuprobieren. Klienten schätzen ihre respektvolle, positive und wertschätzende Art. „Ich beobachte sehr genau, höre genau hin und nehme mein Gegenüber mit seinem Anliegen sehr ernst“, sagt sie. Oft kommen ihr sehr schnell Ideen. „Meine Klienten haben die Freiheit, diese zu mögen oder nicht.“ Antje Remke möchte etwas bewegen. Deshalb ist sie von Coaching fasziniert: „Ich kann immer wieder neue Menschen aus der Stagnation zum Ziel begleiten.“

Ein Vorbild hat sie in Sabine Asgodom gefunden. Klarheit, Toleranz und Authentizität sind ihr wichtig. Dazu gehört die Erkenntnis: „Ich habe auch meine Baustellen. Mich zu motivieren, Routinearbeiten zu erledigen, zum Beispiel.“ Die größte und wichtigste Herausforderung sind für Antje Remke ihre zwei Kinder im Grundschulalter. Hausaufgaben und Termine – was muss wann und für wen dabei und fertig sein?  Aber: „Es gelingt mir, gut zu strukturieren und eins nach dem anderen zu machen.“ So schaffte es die Einzelunternehmerin, das Kiez-Fest in der Florastraße in Berlin-Pankow oder den „Lebendigen Adventskalender“ mit zu organisieren. Ihrem langjährigen Arbeitgeber Evas Arche ist sie nach wie vor projektbezogen verbunden. Antje Remke betreut mehrere Facebook-Seiten und sie fotografiert leidenschaftlich gern. Am liebsten originelle Motive. Laufen hilft ihr, gedanklich in Bewegung zu kommen.

Hobby-Fotografin Antje Remke liebt originelle Motive. Dieser „laufende Baum“ ist für sie eine wunderbare Metapher.

Sichtbar(er) zu sein, formuliert sie als ein eigenes Ziel. Kaum ausgesprochen, klingelt das Telefon. Eine Journalistin bittet die Motivationsfachfrau um ein Expertenstatement. Manchmal ist selbst Antje Remke zu überraschen.

Fotos: Antje Remke, privat